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Homepage von René Pönitz

Die erste Autogrammstunde

Irgendwann ist es immer einmal das erste Mal: und im vergangenen Oktober stand ich das erste Mal für ein Autogramm richtig an. Der Autogrammgeber war Joscha Sauer, viele kennen ihn sicherlich als Zeichner hinter den Nicht-Lustig-Büchern.

Und da ein Bekannter sich ein signiertes Buch gewünscht hat — und da ich am 14.10. ohnehin in Hamburg war, zog ich los. Leider war es nur eine Filiale der Buchhandelskette mit der krankhaften Expansionspolitik. Auf der Homepage des Zeichners konnte man sich über den Ablauf informieren — so zeichnet er eben nicht nur ein blankes Autogramm in die Bücher, sondern malt regelrecht eine ganze Karikatur hinein. Man darf sich dabei Figuren wünschen (in dem Falle Figuren sollten es Figuren sein, die in den anderen vier Büchern noch nicht vorhanden waren). 25 Signaturen schafft der Zeichner in einer Stunde, 2 Stunden waren für die Signierstunde eingeplant.

Um 15 Uhr sollte die Signierstunde losgehen. Als ich dreiviertel Zwei die Filiale betrat, war bereits ein Schreibtisch vorbereitet, ein paar Leute saßen auf umliegenden Sofas. Ich stellte mich direkt an den Schreibtisch. Ich war der Erste. Ich werde die Karikatur auf jeden Fall bekommen. Ein Blick auf die Uhr zeigte mir allerdings: noch 75 Minuten warten. Ätzend.

Als ich nun an dem Signiertisch die Schlange eröffnete, dauerte es keine fünf Minuten, ehe sich die Leute aus den umliegenden Sesseln dazugesellten. Mit der Zeit wurden es immer mehr, bei 30 hört man irgendwann auf mit Zählen. Die Schlange wurde von den Mitarbeitern zur Spirale geformt.

Langeweile macht sich breit. Hin und wieder erheiterten typisch Hamburger Spießbürger die Runde. Ein älteres Ehepaar schaute mißmütig, wie da eine Horde überwiegend junger Leute sich um so ein eher farbenfrohes Buch positionierten und ging ohne ein Wort weiter. Ein alter Herr nahm eins der ausliegenden Bücher, blätterte zwei drei Seiten durch, legte es wieder weg: »Kein Wunder, wenn die Jugend immer mehr verblödet«.

Irgendwann hat man das zu signierende Buch schon dreimal durchgelesen. Irgendwann tun einem die Beine weh. Irgendwann fragt man sich, ob Leute, die das öfters tun abgehärtet sein müssen. Irgendwann war auch die erste Stunde vorbei. Und irgendwie freut man sich schon auf das Gesicht, wenn man dieses handsignierte Buch überreicht.

Mit ca. 5 Minuten Verspätung ging es los. Joscha Sauer tritt in die Runde, ein Applaus setzte ein. Der Autor ist überwältigt vom Andrang. Dann setzte er sich hinter den Schreibtisch und nahm das erste Buch: mein Buch!

Er fragte nach den Figuren und begann spontan mit dem Zeichnen:

Noch eine Widmung zum Geburtstag und fertig war das Geschenk!

Nun wollten einige sehen, was er zeichnete. Ich wurde gefragt, seit wann ich gewartet habe. Und Hamburger kann man immer wieder aus dem Konzept bringen, in dem man die Uhrzeit in der richtig(er)en Form nennt.

Ich verließ den Laden und zog noch etwas durch die Straßen. Nach ca. eineinhalb Stunden war ich wieder in der Gegend des Buchladens. Ich wollte es wissen: war mein so frühes Eintreffen übertrieben? Und als ich sah, dass nun ungefähr diejenigen ihr Autogramm bekamen, die ca. 30 Minuten nach mir eintrafen, dann wußte ich: Nein! Ich war der, der für dieses Autogramm die wenigste Zeit benötigte!

Das Ergebnis sieht nun so aus:

(Das geschulte Auge wird vermutlich sich nun fragen, ob die beiden Figuren nicht vertauscht sein könnten. Im Zweifelsfall steigert es den Wert des Buches — wie bei falschen echten Geldscheinen)