(Kein) Mobilitätskonzept für Olympia
Ich finde die Idee gut, Olympia vor allem als Sportevent zu sehen und nicht als Stadtsanierungsprogramm. Und auch nicht als Maßnahme des Stadtmarketings. Daher bevorzuge ich ein dezentrales Olympia, so dass sich Wettkampfstätten über ein größeres Areal verteilen und die örtlichen Auswirkungen geringer ausfallen. Das sieht die Stadt Hamburg aber anders – und forciert alles auf die Stadt. Und nur wenige Sportarten sollen im Umland bzw. in Kiel stattfinden.
Die Vorstellungen, wie eine Eröffnungszeremonie aussehen könnte, sind ja sehr weit fortgeschritten. Da gibt es schon Visualisierungen, was man alles in die Binnenalster bauen will. Dabei ist mir das egal. Aber Hamburg sieht da die Prioritäten. Leider. Zumal ich mich frage, ob so eine Installation in irgendeiner Form nachhaltig nutzbar ist und bleibt.
Wenn man aber Olympia so zentralisiert haben will, muss man sich auch mit der Erreichbarkeit der Spielstätten und Unterkünfte Gedanken machen. Und dazu gibt es das Konzept Mobilität. Im Bereich des ÖPNV:
Im Bereich Betrieb und Angebot sind Taktverdichtungen bestehender Linien vorgesehen, beispielsweise bei U-Bahn, S-Bahnen und Bussen je nach Auslastung. Dies umfasst beispielsweise die Linien U2 (vier Züge statt drei Züge in 10 Minuten), oder die Linie X22 (alle 5 Minuten statt alle 10 Minuten).
Mehr als eine Taktverdichtung soll es also nicht geben. Im weiteren Abschnitt werden noch neue Buslinien angedeutet. Keine Infrastuktur. Keine Straßenbahn. Keine wirkliche Änderung. Auch keine zusätzlichen Bahnsteige (der Bahnhof Berlin-Olympiastadion hat 10 Gleise – auch um bei Ende der Spiele genug Kapazität zu haben)
Zur Entlastung der S-Bahn zwischen Hauptbahnhof und Harburg wird eine zusätzliche Fährverbindung zwischen Landungsbrücken und dem Harburger Binnenhafen im Zuge der weiteren Erarbeitung des Verkehrskonzeptes für die Spiele geprüft.
Es gibt zwar keine Sportstätte in Harburg. Aber die Idee ist alt, die hatte ich schon im piratigen ÖPNV-Konzept. Aber ohne sinnvollere Anbindung in Harburg wird so eine Idee auch verpuffen.
Im Bereich Infrastrukturen ist der Ausbau mit der Einrichtung zusätzlicher, dauerhafter Zugänge bei S-Bahn, Regional- und Fernverkehr vorgesehen.
Es wird also keine einzige neue Strecke geben: es wird nur weitere, ohnehin nötige Zugänge geben. Juhu! Bzw. später stellen sie auch dar, dass nur das kommt, was ohnehin schon geplant ist mit U5 und S6. Ich lese gar nichts neues heraus.
Dazu zählen einfach umsetzbare Maßnahmen wie die Verbesserung der Beschilderung und der Wegebeziehungen
Wir brauchen Olympia, um ein paar Schilder anzuschrauben. Hilfe!
Im Bereich Kommunikation liegt der Fokus auf Fahrgastlenkung durch Informationsangebote im Zwei-Sinne-Prinzip, um Menschen mit Beeinträchtigungen sicher durch die Stadt zu lenken.
Was hindert – außer unsere SPD – die Stadt daran, so etwas den Menschen dauerhaft von sich aus anzubieten? Egal, ob Olympia kommt. Auf der Webseite, sorry, da musste ich mit den Hamburger teilerhöhten Bahnsteigen als Barrierefallen echt lachen:
Hamburg wird zur barriereärmsten Metropole Deutschlands
Und auch ganz toll:
15 Minuten zu Fuß von der nächsten Bahnstation erreichbar, bei den Paralympics 100%
Also eine Entfernung von ca. 1 Kilometer Distanz gilt praktisch als unerschlossen im städtischen Gebiet.
Schauen wir uns den Radverkehr an. Hier verspricht man “120 Kilometer qualifizierte Radverkehrsanlagen im Radrouten-Standard”. Ja, qualifiziert im aktuellen Wording. Davon 24km außerhalb der Stadt. 21km sind eh schon in Arbeit. 66km möchte man neu priorisieren. Und weitere 10km auch unter einem Mindeststandard realisieren. Und wenn dann die Mehrheit im Bezirk Nord das Bezirksamt unfähig sieht, eine Radroute nach Norderstedt zu planen, dann wird das vielleicht auch nicht.
Dafür bekommen wir 20.000 Fahrradbügel und weitere Leihräder.
Und die Fußwege sollen barrierefrei werden – etwas, wo Hamburg sehr große Defizite aufweist, soll mit Olympia dann kommen. Wahnsinn.
Zusammenfassend habe ich nicht die leisesten Hauch einer Ahnung, dass man mit diesen Überlegungen Olympia ernsthaft meistern kann. Vielleicht tue ich dem Konzept in dieser frühen Phase unrecht. Es werden Bedarfe an Hand von zu verkaufenden Tickets ermittelt und es wird von einem Visualisierungsmodell gesprochen, aber nicht dargestellt.
Stattdessen werden diese überschaubaren Maßnahmen gelistet, die sich alle so lesen, als müsse man genau das, was die SPD derzeit tut, einfach nur bestätigen. Damit sie genau das fortsetzen kann, was sie bisher ohnehin schon getan hat: Schmalspurigkeit. Und Hoffnung.
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