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Sad Song (2026)

Heute gibt es was für die Ohren: den “Sad Song”:

Vorweg: zur Erzeugung dieses Stückes wurden generative KI verwendet.

Long-Story:

Als ich damals noch zur Schule ging, war ich musikalisch aktiv. Nicht so mit Instrumenten. Eher mit Notensatzprogrammen, gemeinsam mit einem Schulkameraden. Es entstanden instrumentale Titel. Und auch einige Texte. Einige der Titel gibt es auch noch in den Annalen dieser Seite. Die Muse für Musik nahm dann irgendwann auch etwas ab – und so schlummerten die Titel. Und so auch der Sad Song.

Im Zuge der generativen Künstlichen Intelligenz reifte die Idee, ob ich nicht aus den alten Melodien und Texten neue Musik “einfach” erschaffen kann. Sicherlich auch aus Blickpunkt “Jugend forscht.” Aber auch mit der Idee und Hoffnung, etwas zu bekommen, was ich mir gut und gerne selbst anhöre.

Und so probierte ich mich aus. Mittlerweile gibt es ja ein Dutzend Plattformen: Suno, Udio, MusikGPT, etc. Ich probierte mehrere – und habe mich erst einmal für Suno entschieden:

  • In der kostenlosen Version konnte ich bereits mit Remixen testen (also wenn man selbst eine mp3 hochlädt) – damit hatte ich erst einmal ein Gefühl, was mich erwartet
  • zum anderen wird einem die Lizenz an den fertigen Liedern auch in der Pro-Account zugesprochen.

(Und ja: ich kenne inzwischen die Gema-Klage, bei der sie demonstrieren, wie auffallend ähnlich man Titel zu bestehenden Titeln erzeugen kann. Auch wenn es von Interesse ist, mit welchen Material einst so eine KI gefüttert worden ist, so fragte ich mich auch, mit welchen Befehlen und Werksbestandteilen der Prompt für diese Ähnlichkeit gefüttert werden muss, um so eine auffallende Ähnlichkeit zu erzeugen. Ich fragte bei der Gema nach: “Es waren sehr einfache (nur Text-)Prompts mit den entsprechenden Lyrics und ein paar Angaben zum Stil.” – Sie wurden leider nicht konkreter, aber der Text war also Input. Dass man bei klassischen Four-Chord-Songs mit KI auch Four-Chord-Songs herausbekommt, ist auch nicht so überraschend)

Aber zurück zu Jugend forscht: Zunächst nahm ich meinen alten Text zu Sad Song und ließ ihn mal durch eine KI prüfen. Rein sprachlich. Und es wäre verwunderlich, wenn da nicht irgendwas an meinem alten Schul-Englisch bemängelt worden wäre. Und in der Tat kamen einige Vorschläge. Ein Beispiel:

Can you imagine what is wrong in us? No trust?
Can you imagine what is wrong with us? No trust?

Es ist immer gut, sich Änderungsvorschläge anzeigen zu lassen und dann jeweils überlegen, ob das dann passt. Gerade bei einem Liedtext geht es ja auch ums Versmaß.

Und dann ging es an die Musik. Und ja, es ist kein Hexenwerk, einen Befehl abzufeuern, der irgendetwas hörbares erzeugt. Wenn man aber mit sich selbst kritisch ist, schon.

Ich hatte von früher ja noch eine fertige mp3-Datei. Die enthielt ja ein komplettes Arrangement inklusive einer Melodie, die nach Gameboy klang (weil sie ja nur stellvertretend für den Gesang stand). Mit der Remix-Funktion kann ich also meine alten Klänge reinwerfen – und welch Überraschung: die ersten Versionen klangen auch nach Gameboy.

Ich probierte einige Versionen ohne Remix (also ohne meine mp3-Datei) aus. Und da hier der Text wohl fast unweigerlich zu einer bestimmten Melodie führte, war es auch nicht überraschend, dass einige freie Fassungen zu ähnlicher Melodielage führten. Die Unterschiede waren vor allem beim Einsetzen des Gesanges.

Beim Aufbau und Gesamtarrangement hatte ich dagegen mehr Probleme, weil der Titel untypisch ist. Er bestand nur aus zwei Strophen mit jeweils vier Textblocken und jeweils einem instrumentalen Refrain. Und nun versuchte er den Text der Strophen vor allem von Block 3 und 4 mit der Melodie des Refrains zu kreuzen. Und jede dieser Versionen klang grauenhaft, da die natürliche Sprachmelodie des Textes sich absolut nicht in der Harmoniefolge des Refrains wiederfand. Und wenn die KI einmal diese Idee hat, bekommst du die ganz schwer wieder raus. Ein Daumen-runter geht offensichtlich noch nicht in die Feedback-Schleife ein.

Ebenso untypisch war meine damalige Idee, gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Die erste Note war auch die erste zu singende Silbe. Und irgendwie ist Suno so trainiert, mit einem instrumentalen Intro zu starten. Egal, was ich dem Prompt mitgab – ich bekam nie das Intro weg. Irgendwann gab ich auf.

Aber ich musste auch einsehen, dass die Überleitung der letzten Textzeile vor dem Refrain schwer singbar ist. Und auch die erzeugten Titeln trafen nie 100% die Noten, die ich ja extra übergab. Und dann holperte es so, dass es mit Rhythmus auch nicht gut klang. Die Lösung war dann: eine ruhigere Passage.

Und zum Schluss stellte ich mir die Frage: bisher hatte das Lied den lapidaren Arbeitstitel “Sad Song”. Wieder quälte ich die KI mit dem Text und befragte sie nach einem guten Titel. Und ich bekam zwei Dutzend Vorschläge und welch Überraschung: die meisten waren beliebige Textzeilen wie “Loved In Vain” oder “Frantic Sound”. Gefiel mir alles nicht. Ich dachte selbst an “Sad and Strong”. Am Ende belasse ich es bei Sad Song.

Die neue Version ist am Anfang des Artikels.

Wer die alte zum Vergleich hören will:

Die neue Version mit Gesang:

Auf der Strecke dahin gab es einige Versuche. Unter allen Experimenten hat mich diese durchaus sehr beeindruckt, da sie die Stimmung des Textes auch sehr stark in der Musik prägte:

Und während dieser Bearbeitung stellte ich mir durchaus die Frage, ob das, was ich mache, eine schöpferische Leistung ist, wenn letztendlich die Algorithmen diese Stücke arrangieren. Und wie Juristen am liebsten sagen würden: Es kommt drauf an.

Während ich beim alten Sad Song jede einzelne Note in ein Notenblatt klebte und zudem einen Text dazu schrieb, war es unweigerlich ein Werk. Aber es war kein komplettes Werk: es fehlte eben noch ein Gewerk, der Gesang. Ich hätte also auch eine Auftragssängerin oder -sänger beauftragen können.

Nun ist es ein fertiges Stück, was letztendlich (von etwas Nachkorrektur einmal abgesehen) ein Algorithmus entwarf. Aber er tat es auf Basis meiner Befehle. Oder wie es einst mal Kraftwerk besang: “Ich bin der Musikant mit Taschenrechner in der Hand”. Ich habe ja zur Erzeugung dieses Liedes mal eigenes Lied in den Ring geworfen. Und es sind ja auch viele Elemente drin, die ich einst mal geschaffen habe: die Melodie, der Text, die Harmonien, der Aufbau, auch der Rhythmus. Und das war mir auch wichtig, dass sich das im Ergebnis auch winderfindet. Wenngleich der Titel nun etwas düsterer und reifer klingt.

In Summe ist das ein möglicher Weg, wie ich aus alten Klangfetzen, Melodien und Texten zu Musik formen kann.

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